Kurzfassung Rückführung  April 2011
Junge Frau (20 J.)
 

Ich hab vielleicht vor 2 Wochen einen Jungen auf einer Feier kennen gelernt, mir wurde schon mal in einer vorigen  Rückführung gesagt, dass ich, wenn ich Jemanden treffen, wo ich mich fühle, als ob  ich den schon vorher kenne, das wird mir eine vertraute Seele sein, die mir viel bedeuten wird in diesem Leben.

Bevor es aus dem Ruder läuft, habe ich gedacht, mach ich eine Rückführung. Ich hatte am Ostersonnabend einen seelischen Zusammenbruch (ich würde mal sagen, ich fühlte mich sehr alleine, wie als hätte man Jemand wichtigen wie verloren, tat richtig weh in der Brust, wie so ganz viele Gefühle, die sich auf einmal ausdrücken). Ich möchte wissen, ob er die Seele ist, wo ich das denke und  warum das jetzt bei mir so viel aufgewühlt hat, das würde mich interessieren.

Ich will in Ruhe eine Entscheidung treffen, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll.

 

…Wie  ein altes Schloss, aber es sind viele Menschen da, eine Art Marktplatz, sehr reges Treiben,  überall sind Kinder und Leute, es ist viel los. Ich stehe an einem Stand und ich verkaufe  etwas, ich denk, Trockenobst oder irgendwas in der Richtung. Es fühlt sich nicht gut oder schlecht an, aber  einfach notwendig, würde ich sagen. Jeden Tag, wenn ich dort was verkaufe, kommt ein junger Mann zu Besuch. Ich rede nicht viel mit ihm, aber es fühlt sich einfach immer gut an.  Er kauft immer irgendwas, immer ein und dasselbe,  es ist nicht viel, aber es fühlt sich gut an, es ist wie ein typischer Brauch, weil es jeden Tag geschieht. Jeden Tag empfinde ich eine Art Vorfreude, bis er kommt.

Ich  habe  wie abgetragene Lederschuhe an den Füßen,  sie sind so gut wie kaputt, aber sie halten noch und sie schützen meine Füße noch so gut, wie es geht. Ich trage  was wie Strumpfhosen oder Art Pluderhose und  ein einfaches Hemd und ein Art Halstuch. Ich bin 18 Jahre alt. Ich bin ein junger Mann. Ich heiße Jonason. Es ist in Wales. Da, wo ich gerade auf dem Markt stehe und verkaufe ist 1534.

 

…Es ist etwas anders, als wie jeden Tag. Es ist das erste Mal, das  sich unsere Hände kurz berühren, weil ich ihm was geben möchte und er danach greifen möchte, das fühlt sich angenehm an,  auch wenn es nur kurz ist, aber auch verwirrend. Eher wie eine Art Liebesgefühl, das kann ja zwischen Männern eigentlich nicht sein! Das verwirrt mich schon. bin auch froh, als er dann doch weg ist. Ich weiß grad gar nicht, was ich so direkt mit mir anfangen soll. Der Name des jungen Mannes ist Daniel.

An den anderen Ständen stehen mehrere Frauen, die die Szene beobachten. Die stehen da jeden Tag, sie schauen mich wie abschätzend an, als hätte ich was Verbotenes getan. Ich fühle mich irgendwie beschämt, als hätte ich mich falsch verhalten, als ich ihre Blicke bemerke.

Mein Vater holt mich wie jeden Tag nach Schluss des Marktes ab, und hilft mir  alles in mehrere große Kisten zu packen. Wir haben ein Pferd und einen Karren, den beladen wir mit den Sachen, wir haben ein kleines Haus, nicht Haus, eine Miniwohnung mit 2 Räumen.

 

…Wenn der Vater kommt, fühle ich mich, als müsste ich mich beweisen, ich fühle mich, als ob ich mich immer vor ihm rechtfertigen oder beweisen muss,  dass ich meine Arbeit gut tue, was ich auf dem Markt tue. Ich habe ziemlichen Respekt vor meinem Vater, weil er meine Erziehungsperson ist. So, als ob ich mich nach ihm richten muss.  Die Person, die am wichtigsten ist für mich.

…Mit ihm fühle ich mich unterdrückt.

…Mein Vater und ich sitzen zu Hause, zählen die wenigen Tageseinnahmen, die uns jeden Tag zum Leben helfen. Es ist nicht  wirklich nicht viel, aber es reicht. Mein Vater fragt, ob der Mann an dem Stand gewesen ist, weil er ihn auch schon öfters gesehen hat. In dem Moment fühle  ich mich ein wenig verängstigt, was er fragen könnte. Der Vater mahnt mich, ich soll mich nicht weiter auf ihn  einlassen, er ist aus reichem Hause, sie haben keinen guten Ruf. Ich soll mich mit solchen Leuten nicht einlassen, weil es nur Ärger bringt. Diese Art seiner Rede macht mich irgendwo traurig,  aber ich fasse den Entschluss, dass ich mich nicht zurück halten will,  ich will eigentlich mehr über den jungen Mann erfahren. Ich verspreche dem Vater,  dass ich bedacht sein werde, mich nicht in Ärger verwickeln werde. Ich weiß schon, dass ich das Versprechen nicht halten kann! Ich habe in einem kleineren Teil Angst davor, was die  Konsequenz sein könnte. Aber: die Neugier einfach ist größer, weil es verboten wurde, macht es mehr Reiz aus und steigert meine Neugier auf den Jungen. Wegen des Versprechens und meiner Neugierde bin ich wie hin-und hergerissen. Rede mir ein, dass ich ihn  nur mehr kennen lernen will, was sein Leben ausmacht. Warum er jeden Tag an meinen Stand kommt, der eigentlich nicht so gute Sachen verkauft. Ganz viel will ich erfahren. Aber ich will mehr, dass verwirrt mich, diese Gedanken sind nicht richtig.

…Es ist wieder eines Tages auf dem Markt. Ich habe schon vorher einen kleinen Zettel vorbereitet. Ich kann zwar nicht sehr gut schreiben, aber es ist verständlich, was ich möchte. Ich habe mir viel Mühe gegeben, obwohl ich nur schlecht schreibe. Wo ich vorschlage, dass man sich doch mal treffen könnte, da habe ich aber den Abend vorgeschlagen. Da ich nicht möchte, dass mein Vater das mitbekommt, weil ich ihm ja das Versprechen gegeben habe. Der junge Mann kommt wie jeden Tag, wir begrüßen uns kurz. Als er seine Ware kauft und ich ihm das Wechselgeld gebe, gebe  ich den Zettel dazu.

…Ich bin  in dem Moment freudig erregt, würde ich sagen, auch nervös. Ob er lachen wird oder ihn ernst nimmt? Er liest sich das kurz  durch und er nimmt den Zettel, lächelt mich an. Es fühlt sich gut an, es freut mich,  ich habe schnelleres Herzklopfen, versuche  nicht rot zu werden, es vor den Marktfrauen zu verbergen, wie es mich freut, was geschehen ist. Ich habe Angst vor dem Vater:  Sie erzählen so viel, die Markfrauen!

…Ich bin bei den Stallungen, beim Sonnenuntergang, wie ich es in dem Zettel geschrieben habe.

Ich bin sehr nervös und frage mich, ob er wirklich kommen wird? Ich sehe mich ängstlich um, es könnte jemand anderes kommen und  mich  entdecken? Nach einiger Zeit kommt der junge Edelmann.  Das freut mich sehr. Ich komme mir  eher wie ein Mädchen vor, was heimlich auf ihren Liebhaber wartet.  Das fühlt sich wiederum sehr komisch an. Das ist so, dass wir nicht miteinander reden müssen, wir gehen einfach zusammen durch den Stall. Wir halten uns scheu bei den Händen, mehr geschieht da nicht. Es fühlt sich gut an, es ist dunkel, da kann uns ja keiner sehen. Es fühlt sich an wie Geborgenheit, Zuneigung und wie eine Art Schutz. Wir setzen uns hin und wir unterhalten uns.  Was er macht in seiner Familie. Er hat viele Verpflichtungen  als der älteste Sohn. Er  soll bald die Hälfte der Verpflichtungen vom Vater übernehmen.  Was er eigentlich nicht möchte. Wenn er bei mir am Stand ist und jeden Tag das Trockenobst kauft, fühlt er sich normaler, nicht so gehoben. Es hat ihm jeden Tag einen Lichtblick gegeben. Wenn ich das so höre, bin ich etwas beschämt, aber auch sehr geehrt. Das ich ihm einen schönen Moment jeden Tag beschert habe mit so einer einfachen Sache. Ich scheine wichtig für ihn zu sein.

 

…Es ist  schon auf jeden Fall ein ganzes Stück später, ich komme mir älter vor. Ich  bin jetzt schon 20 Jahre alt. Ich weiß, dass ich seit 2 Jahren mit Daniel zusammen bin.  Ich weiß, dass es eigentlich nicht sein sollte, aber es fühlt sich einfach so gut an. Wir haben oft versucht, uns nicht mehr zu treffen,  was dazu geführt hat, dass dann immer einer von uns  traurig geworden ist. Jeder von uns hat immer wieder die Nähe des Anderen gesucht. Es fällt schwer, dass wir es immer geheim halten müssen und Daniel immer mehr vom Amt seines Vaters übernehmen muss, es bleibt immer weniger Zeit für uns. Aber wenn wir die Zeit haben, fühlt es sich an wie in einer eigenen Welt, wenn wir zusammen sind.

 

…Ich stehe auf dem Markplatz und verkaufe wie seit Jahren schon die Sachen, die wir anbieten.

Es kommt eine Stadtwache über den Markt, ich denke erst nicht, sie können zu mir wollen, aber doch!  Sie stellen sich genau an meinen Stand und fangen an  und  verwüsten meinen Stand.

Ich weiß, dass ich keine Chance habe, der Strafe zu entgehen! Ich glaube, dass man herausgefunden hat, was geschehen ist, dass ich Verbotenes getan habe, dass ich mit einem Mann zusammen und glücklich war. Ich spüre Panik, als wöllte  ich weglaufen, aber ich bin starr vor Angst. Ich weiß aber, weglaufen bringt nichts. Es ist aussichtslos. Sie nehmen mich mit, ohne viel  weiter zu erklären.  Der Oberste, der die Zuständigkeit hat, erklärt mir, dass ich wüsste schon, worum es ginge.  Um ein unsittliches Verhalten.  Dass ich einen wichtigen Sohn, einen Fürstensohn, an den hätte ich mich geschmissen und all die Jahre verführt. Ich fühle mich schuldig, als sie mich verschleppen.

Und verlassen und ganz allein und ausgeliefert. Noch dazu sehr verängstigt, ich komme da nicht raus lebendig oder nur mit sehr großen Schmerzen, das ist gewiss! Sie nehmen mich mit. Mir wird mitgeteilt, dass ich für die nächsten Nächte in den Kerker komme und dann werde ich auf dem Markt ausgestellt, um die Strafe zu erwarten. In dieser Zeit ist das Volk ist sehr blutrünstig, diese Vorstellungen, diese Strafen. Als ich da so im Kerker sitze,  fühle ich mich verlassen und wie absolut hilflos, aber auch irgendwie Sehnsucht nach  Daniel und  dass er bei mir sein könnte und hoffe  wenigstens einmal noch  ihn zu sehen, bevor es vorbei ist. Ich habe auf jeden Fall die Ahnung, dass bald alles vorbei ist. Die Wachen reden über mich, abschätzige Blicke, lachen hinterhältig.  Ich werde wohl keine Chance haben. Ich bin völlig hilflos in der ganzen Zeit. Als ich den Kerker wieder verlasse,  werde  ich nach draußen geführt und  gezogen und geschleift.  Ich versuche mich nicht  zu wehren, weil es mir nur noch mehr Schmerzen einbringt, weil es dann schlimmer würde für mich. Sie bringen mich auf einen Pferdekarren, der mich auf den Markt bringt, da muss ich auf das Podest, die Bühne, die da aufgebaut  ist. Dort  ist ein riesiger  Menschenauflauf anwesend und  sie starren, als wäre ich ein Tier, das sie unterhalten würde. Ich fühle mich wie nackt und vollkommen ausgeliefert, kein schönes Gefühl. Ausgestellt und  von allen Seiten angestarrt und beschimpft. Ich werde an einen Pfahl mit den Händen, Rücken und Füßen gebunden, so dass ich daran stehe und  ein Mann in dunkler Robe kommt auf diese Bühne und rollt ein Pergament auf, verliest mein Urteil.  Wegen der Unsittlichkeit soll ich verbrannt werden. Als Beispiel  dafür, dass diese Unsittlichkeit sich nicht gehört.

Gott lässt die Liebe zweier Männer nicht zu! Ich soll wegen meiner Zuneigung bestraft werden; ich kann nicht einmal schreien, weil es so wehtut. Dass ich für meine Zuneigung getötet werden soll!

Ich spüre, dass es ein Widerspruch ist, zu lieben und dafür bestraft zu werden.  Das macht mir Schmerzen. Das Volk schreit, vollstreckt die Strafe! Es wird gleich Feuer gemacht, Holz aufgeschichtet. Wie ich da mitten stehe und um mich herum werden die Vorbereitungen getroffen, für mein Strafe, die mit dem Tod endet,  fühle  ich mich wertlos, wie Jemand, der gesündigt hat.

Doch  ich weiß, ich kann die Sünde nicht loswerden, da Gott mich mit dieser Strafe belegt hat, egal, ob ich viel beten würde. Da ich Gott wahrscheinlich sehr erzürnt habe. Ich akzeptiere diese Strafe innerlich, weil ich  geglaubt habe so zu lieben zum größten Teil schon. Aber, tief innen, weiß ich, dass ich es richtig gemacht habe und nicht verstehe, warum diese Strafe. Ich verstehe es nicht, aber wegen der Strafe muss es eine Sünde sein. Sonst würde ich ja jetzt nicht da stehen.

Das Feuer wird entzündet. Ich höre das Knistern nahe an meinen Füßen,  das Holz ist aufgeschichtet und brennt. Ich kann sehen, wie es immer näher kommt, ich spüre die Hitze, wie meine Haut versengt. Die Leute  rufen und  schreien und befinden es  wohl für gut. Ich fühle mich verängstigt und entsetzt. Ein Menschenleben scheint so wenig wert zu sein! Dass die Menschen sich daran  erfreuen können wie an einem Zirkusschauspiel! Ich kann in der nächsten Zeit nicht mehr so viel denken, die Schmerzen sind zu groß. Mein Verstand schwindet, dennoch ist mein letztes Gefühl, dass ich geliebt worden bin,  dass ich das wusste, das kann nicht falsch gewesen sein. Diese Liebe ist noch da.

 

Nach dem Sterben…Es fühlt sich freier und ungebundener an, die Schmerzen sind weg.

 

…was du wissen musst, das damalige Leben betreffend. Was ist aus dem jungen Mann, den du liebtest, geworden?

 

…Er wurde früh verheiratet  und es wurde dargestellt, dass ich ihn verführt hätte und ich wäre schuld. Und er wurde gezwungen, das Herrschaftsregime seines Vaters zu übernehmen. Er hat es nicht sehr gut verkraftet den Verlust. Er hat die ganze Nacht geschrien und wurde in seinem Zimmer eingesperrt. Er wurde verrückt nach einigen Jahren. Deswegen wurde er eingesperrt im Irrenhaus.  Er hat sich selber dem Leid entzogen durch Freitod.

 

…was  wollte deine Seele lernen damals?

 

…Egal, was geschieht, es lohnt sich kurz glücklich zu sein, auch wenn es bald vorbei ist. Und Gott liebt alle Menschen, egal, was sie tun! Das ist die Quintessenz.

 

 

…Der junge Mann von damals, kennst du ihn heute?

 

… Ja, vertraut, es ist der junge Mann, den ich kennen gelernt habe.

 

…Wie wirkt er auf dich? Erfreut oder erstaunt?

 

…Vertraut und ein  bisschen erstaunt. Ich möchte ihm sagen, dass es mir  tut mir leid, ihn bedrängt zu haben, zu viel verlangt zu haben vielleicht. Daniel antwortet, dass er es  nicht als bedrängend erlebt hat, sondern er wollte es von sich aus. Es war für ihn so schön, wie für mich.

 

…Wie sollst du dich ihm gegenüber verhalten, welche Art von Beziehung sollt ihr haben miteinander?

 

… Freundschaft

 

…Wie fühlt es sich für dich an, wenn du das hörst?

 

…Es fühlt sich richtig an.

 

…Jetzt soll es keine Liebesbeziehung sein?

 

 

…Nein

 

…Was gibt es für euch beide zu tun, dass die Freundschaft gut gelingt?

 

…Mehr Zurückhaltung meinerseits. Es wird ab heute leichter sein. Ich kann mich mit ihm so bewegen, wie es gut ist für uns beide.

 

…Was er braucht von dir, was wünscht er sich in dieser Freundschaft von dir?

 

…Füreinander da sein; ohne sich gegenseitig zu sehr zu bedrängen